iten
Navigation

Relaxen in der Natur Südtirols

Vermutlich schon viele Jahrhunderte bekannt, ist das ursprüngliche „Heubadln“ seit 1871 dokumentiert. Auf dem 2.450m hoch gelegenen Schlern in den Dolomiten schliefen die Heuer nach der Heumahd nachts im aufgeschichteten Heu und wachten am nächsten Morgen trotz der kräftezehrenden Arbeit erholt und voller Energie auf. Bald taten es ihnen andere Landsleute nach. Zunächst zur Erfrischung, bald aber auch zur Linderung ihrer rheumatischen Beschwerden.

Die Völser setzten einen Meilenstein zur späteren Verbreitung des Heubades. Sie nutzten die Erfahrungen der Heuschnitter und boten ab 1890 in ihren Dorfscheunen Möglichkeiten zum Heubadln. Damit lockten sie alsbald „Kurgäste“ aus der Region an: Obst- und Weinbauern mit Zipperlein und rheumatischen Beschwerden. Das Schicksal meinte es gut mit den Völsern: Der bekannte Arzt Dr. Josef Clara (1872-1923) aus Blumau in Südtirol schuf die erste moderne Form des noch heute so beliebten Völser Heubades.

Damals war das Bad im Heu jedoch kein Zuckerschlecken: Die darin befindlichen Spaltpilze erzeugen kräftige Gärungsprozesse. Dadurch kommt es zu erheblichen Temperaturerhöhungen. Die Badewilligen wurden bis zum Hals ins Heu eingegraben und schmorten etwa 20 Minuten bei 40–60 Grad. Starkes Schwitzen und die ätherischen Inhaltsstoffe der Heublumen erklären den heilsamen Effekt. Der betreuende „Badmeister“ tupfte den Badenden den Schweiß von der Stirn, verjagte die Fliegen und reichte den Durstigen gelegentlich ein Glas Weiß-oder Rotwein. Anschließend wurde dem Gast, in Leintücher gehüllt, eine Nachruhe gegönnt. Heute gestaltet sich das Heubadln wesentlich angenehmer.

Worin liegt nun das Geheimnis des Heus und seiner Inhaltsstoffe? Je höher die Almen liegen, desto artenreicher ist die Flora der Wiesen. Das Dolomitenheu ist als besonders „fett“ bekannt, was mit den speziellen Böden zu tun hat: Dolomit besteht zum großen Teil aus versteinerten Korallenriffen. Sie entstammen dem versunkenen Tethysmeer, dem Ur-Ozean aus dem geologischen Erdmittelalter (vor circa 250 Millionen Jahren).

Blattpflanzen wie Frauenmantel, Edelraute, Arnika, Speik, Quecke, Lolch und Schwingel charakterisieren das Dolomitenheu, wie es zum Beispiel auf den hochgelegenen Schlernwiesen und der Seiser Alm geerntet wird. Diese enthalten im Wesentlichen ätherische Öle, Cumaringlykoside und Gerbstoffe. Sie fördern die Durchblutung und beeinflussen die inneren Organe über Reflexzonen an der Körperoberfläche.

In den 90er Jahren wurde unter der Federführung von unserer Maria Kompatscher die Therapieabteilung grundlegend umgestaltet und modernisiert. Durch Einführung spezieller Techniken wurde aus der einst so beschwerlichen Heuanwendung eine wohltuende, therapeutisch anspruchsvolle Therapieform, die das ganze Jahr über praktiziert werden kann. Der Gast wird von zuvor in heißem Wasser eingeweichtem Heu eingehüllt in ein Wasserbett abgesenkt. Im konstant 40 Grad warmenm Wasser entfalten sich in 15-20 Minuten die besonderen Wirkungen des Almheus, das von der nahe gelegenen Seiser Alm stammt. In Tücher eingehüllt wird anschließend die Nachruhe genossen, ohne dass Heu und ätherische Öle gänzlich entfernt werden: Mit einer sanften Massage werden die noch auf der Haut befindlichen Wirkstoffe einmassiert.

Auszugsweise aus dem Artikel „Heublumen:
Morphium der Kneipp-Therapie“
aus dem „Naturarzt“ Nr.4 2007
von Dr. Christian W. Engelbert